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 ZPR - Der Stoff aus dem Papiere sind


Der Chef führt persönlich durch das Werk

 

 
 

Der Vorsitzende des Hofer Kreisausschusses des Bayerischen Beamtenbundes (BBB), Karl-Heinz Marko, hatte zusammen mit Jürgen Stader vom Bund der Berliner und Freunde Berlins, Kreisverband Hof, zu einer Besichtigung der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) in Blankenstein eingeladen.  

Geschäftsführer Leonhard Nossol begrüßte persönlich die interessierten Gäste, die aus dem gesamten Landkreis Hof und aus Lichtenberg mit einem Bus angereist waren, im Kantinengebäude. In einer Firmenpräsentation erläuterte er die historische Firmengeschichte und den Produktionsablauf. Da das riesige Betriebsgelände von 900.000 m² im engen Saaletal in Blankenstein/Thüringen zu Fuß nicht bewältigt werden konnte wurden die 54 Teilnehmer anschließend mit dem Bus  durch das Gelände zu den zahlreichen sehenswerten Punkten gefahren.

 

Der Name der Firma ist historisch bedingt. 1883 gründete der auch im Selbitztal aktive Unternehmer Wiede in Blankenstein die „Wiede Papierfabrik Rosenthal“, die laufend vergrößert wurde. Bereits 1891 begann die chemische Zellstofferzeugung zur Herstellung hochwertiger Spezialpapiere. In der Nachkriegszeit nahm die Bedeutung des Betriebes in der damaligen DDR zu. Bereits 1976 wurde eine neue Sulfit-Zellstoffproduktionsanlage errichtet. Als einzige Zellstofffabrik in der DDR überstand man die Wende und wurde 1994 durch die nordamerikanische Mercer Gruppe übernommen. Nach

ökologisch Sanierung und Produktionsumstellung auf das Sulfat-Verfahren von 1997 - 1999 ist die ZPR heute eine der modernsten und umweltfreundlichsten Kraftzellstofffabriken weltweit. Produziert wird rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Bei einem Verbrauch von täglich 4000 Tonnen Holz werden täglich 1000 Tonnen Zellstoff hergestellt. Für den An- und Abtransport von Rohstoff und Fertigprodukt sind täglich drei Güterzüge und 300 Lkw's auf Thüriinger Seite unterwegs.

 

Geschäftsführer Leonhard Nossol warb in diesem Zusammenhang für die Wiederbelebung der Höllentalbahn zwischen Naila und Blankenstein, da doch bereit eine werkseigene Bahnanbindung vorhanden ist. Die Bahn könnte hier Abhilfe schaffen, da heute tschechisches Holz in Asch auf Lkw umgeladen  werden muss und diese dann durch Hof nach Thüringen fahren. Die Belastungen der Anwohner und der Umwelt sind dadurch hoch. Neben Zellstoff, den man etwa zur Hälfte exportiert, wird aus der Prozesswärme auch Elektrizität gewonnen, die zum Teil für den Betrieb gebraucht wird. Der ins Netz eingespeiste „Rest“ könnte eine Stadt wie Hof   komplett mit Strom versorgen.

 

Die Besonderheiten im Gelände bedingen eine spezielle Rundholzbrücke, über die Baumstämme vom anderen Saaleufer zur Hackerei geleitet werden. Die Hackschnitzel, die als Nebenprodukt in Sägewerken anfallen, werden in riesigen Halden gelagert. Der Kocher schließt bei Hitze mit Chemikalien das Holz auf. Anschließend werden die Zellstofffasern gebleicht und getrocknet.

 

Umweltschutz ist bei der ZPR mehr als nur eine Schlagzeile. Die betriebseigene Abwasserreinigungs- anlage, übrigens noch aus DDR-Zeiten, entspricht voll den heutigen Anforderungen. Alle Werte sind deutlich unterhalb der vorgeschriebenen Grenzen und erzielen im internationalen Vergleich beste Ergebnisse. Mit Stolz verwies der Geschäftsführer auch daraufhin, dass auf dem 65 m hohen Kocher, dem Herzstück der Produktion, heuer zum wiederholten Male Turmfalken nisten und sich manche Stellen des Betriebsgeländes zu kleinen Biotopen für seltene Reptilien entwickelt haben.

 

Heute hat das Werk ungefähr 450 Mitarbeiter, die zu über 90 % aus Thüringen kommen. Zu DDR-Zeiten hatte der VEB etwa 1500 „Werktätige“. Allerdings  arbeitete davon nur rund die Hälfte bei der ZPR, der Rest in der stillgelegten Papierfabrik Blankenberg, aber auch in Betriebsferienheimen oder Kinderhorten.  

Lehrlinge werden im Betrieb in sieben Berufen ausgebildet und fast in allen Fällen danach auch übernommen. Leider gibt es nach Angaben des Geschäftsführers nur wenige Bewerbungen aus Oberfranken.   

 

Zur Entwicklung des Werkes konnten die Teilnehmer noch vielfältige Dokumente im werkseigenen Museum betrachten. Dieses soll demnächst einem größeren Neubau weichen. Geschäftsführer Nossol wies zum Schluss auf den Tag der offenen Tür am 24. Juni hin, an dem nicht nur die einzelnen Stationen der Produktion besichtigt werden können, sondern auch ein Fest gefeiert wird und politische Prominenz ihr Erscheinen zugesagt hat.

 

Nach viel geistiger Information standen bei der abschließenden Einkehr im Gasthaus „Friedrich-Wilhelm-Stollen“ die leiblichen Bedürfnisse im Vordergrund. Alle Teilnehmer waren von der interessanten Veranstaltung begeistert.  

Text und Fotos – BBB-KA Hof